Fragment eines Volutenkraters

Fragment des Volutenkraters

apulisch-rotfigurig, um 340–330
v. Chr.
Dareios-Maler
Fundort unbekannt
Ton
H. 17,9 cm, B. 15,0 cm
Museum für Kunst und Gewerbe
Hamburg Inv. 2010.18
Erworben mit Mitteln der
Campe’schen Historischen Kunststiftung

Bildnachweis © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg;
Foto: Maria Thrun

Exponat im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Das aus zwei Scherben zusammengesetzte Fragment einer Vase lässt sich aufgrund der Wölbung, der Töpferrillen sowie dem das Bildfeld begrenzenden Mäanderband dem unteren Bereich des Körpers eines unteritalischen Volutenkraters monumentaler Größe – wohl zwischen 85 bis 120 cm – zuweisen. Die feinteilig gezeichneten Gesichter und weitere Details erlauben eine Zuordnung zum Werk des Dareios-Malers, der zu den besten Vasenmalern der unteritalischen Vasenkunst zählt.
Den unteren Rand des Bildes begrenzt ein Mäander, von dem ein Quadrat mit eingefügtem Kreuz und vier Punkten sowie Mäanderlemente erhalten sind. Darüber befindet sich eine Zweikampfgruppe, Reste weiterer Figuren sind oben und am rechten Rand erhalten. Dargestellt ist der Kampf der Göttin Athena mit dem Giganten Enkelados. Die nach links schreitende Göttin ist mit einem langen Chiton mit Überschlag bekleidet, der von einem ursprünglich mit weißen Kreisen und Doppelpunkten versehenen Gürtel gehalten wird. Über beide Schultern ist die Ägis geführt; das mittig applizierte Gorgoneion sowie die entlang der Ränder angebrachten Schlangenhälse und -köpfe waren in weißer Zusatzfarbe angegeben. Auf dem nahezu
frontal gezeigten Kopf mit schulterlangen, lockigen Haaren ist der Helm in gewohnter Weise zurückgeschoben. Mit ihrer Linken hält sie einen großen Rundschild, in der vorgestreckten Rechten ein Schwert. Mit der Hand hat sie den Schopf ihres Gegners ergriffen. Der geflügelte Gigant ist in einer Dreiviertelansicht leicht nach links gedreht, sein Kopf wendet sich über seine linke Schulter zurück. Er hat braune Haare und einen Vollbart mit dunklen Locken. Sein nackter Körper endet an den Beinen in Schlangenleibern. In der Rechten hält er einen Baumstamm oder vielleicht eine Fackel. Über den linken Arm ist ein Fell gelegt. Der Arm ist erhoben
und versucht, den Griff der Athena abzuwehren. Schmerz und Angst spiegeln sich in seinem Gesicht. Ein Speer hat ihn schwer verwundet und er blutet aus einer klaffenden Wunde in seinem Bauch.

Anführer der Giganten

Dem Mythos folgend war der Anführer der Giganten unsterblich, so lange er mit seiner
Mutter, der Erdgöttin Gaia, verbunden war. Nachdem Athena den Giganten mit ihrem Speer
verwundet hat, wird sie ihn im nächsten Moment anheben, so dass er den Kontakt zur Erde
verliert und sterblich wird.

Während die Gigantomachie auf attischen Vasen ein sehr beliebtes Thema war, finden sich
in der apulischen Vasenmalerei des 4. Jahrhunderts v. Chr. nur ein knappes Dutzend Darstellungen.
Besonders raffiniert und detailliert sind die Bilder des Dareios-Malers, wie dieses
Fragment eindrucksvoll belegt.

| Frank Hildebrandt

Dieser Beitrag stammt aus dem Archäologischen Kalender 2020, der 24 Exponate des mkg Hamburg präsentiert.
Informationen zum Museum finden Sie unter

www.mkg-hamburg.de

Archäologischer Kalender 2021, wbg zabern

Präsentiert 24 Exponate aus dem Rheinischen Landesmuseum Trier. Die Kuratoren des Museum erzählen die Geschichte der Objekte.

Archäologischer Kalender 2021