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Samarra Revisited

März 4 / 10:00 Mai 29 / 18:00

Die Sonderpräsentation im Buchkunstkabinett des Pergamonmuseums zeigt das große Potential der Digitalisierung von Grabungsfotografien für die wissenschaftliche und museale Nutzung. Dafür digitalisierte das Museum für Islamische Kunst 2021 rund 1.500 Glas- und Kunststoffnegative sowie Diapositive von Ausgrabungskampagnen, die vor mehr als 100 Jahren in Samarra, im heutigen Irak stattfanden.

Südfront der Großen Moschee in Samarra, von der nur noch die Wände erhalten sind.
Ernst Herzfeld, Große Moschee, Südfront, 1911, Glasnegativ, 13 x 18 cm, © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst

Die ca. 125 km nördlich von Bagdad gelegene Stadt gehört zu den überragenden Orten der islamischen Kunstgeschichte und Archäologie und diente zwischen 836 und 892 als zeitweiliger Regierungssitz der abbasidischen Kalifen.

In Samarra fanden zwischen 1911 und 1913 unter der Leitung von Friedrich Sarre (1865-1945), dem damaligen Leiter der Islamischen Abteilung im Kaiser-Friedrich-Museum (heute Museum für Islamische Kunst) und dem Archäologen Ernst Herzfeld (1879-1948) die ersten systematischen Ausgrabungen eines islamischen Fundplatzes statt. Herzfeld leitete als Archäologe die Ausgrabungsarbeiten auf dem über 50 Quadratkilometer großen Ruinenfeld, einem der größten der Welt. Er organisierte dabei nicht nur die Arbeit, sondern fotografierte, zeichnete und führte Grabungstage- und Fundbücher allein.

Erstmals sind nun alle rund 1.500 von Ernst Herzfeld aufgenommenen und erhaltenen Glas- und Kunststoffnegative sowie Diapositive über die Online-Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin zugänglich gemacht worden. Aufgrund des fragilen Erhaltungszustandes der Originale wurde mit ihnen auch intern nicht gearbeitet. Selbst Museumsmitarbeiter:innen war der Bestand bislang nicht vollständig bekannt. So entstand die Idee, jetzige und ehemalige Mitarbeiter:innen zu bitten, sich die Digitalisate genauer anzuschauen. 24 Teilnehmende wählten fünf Aufnahmen aus Samarra, die Berührungspunkte zu ihren Arbeitsgebieten haben. In der Sonderpräsentation wird nun zum einen das jeweilige kommentierte „Lieblingsfoto“ gezeigt. Zum anderen sind alle von den Mitarbeiter:innen ausgewählten Digitalisate und ihre Begründung für diese Wahl in einer Medienstation abrufbar. Die Auswahl zeigt das breite Spektrum an Nutzungsmöglichkeiten von Grabungsfotografien: Sie helfen Archäolog:innen und Provenienzforscherinnen, Funde zu verorten. Sie zeigen, dass sich Grabungsfotograf:innen früher wie heute bemühen, einen Abgleich ihrer Aufnahme mit dem Original zu erlauben. Da die fotografierten Fundsituationen durch die Ausgrabungsarbeiten für immer verloren gehen, ist die Bedeutung der Fotografie nicht zu unterschätzen. Die Fotos dienen aber auch als Anknüpfungspunkte an aktuelle gesellschaftliche Diskurse und dokumentieren nicht zuletzt einen herausragenden Fundplatz der islamischen Archäologie, der bis heute nichts an seinem Reiz eingebüßt hat.

Alle digitalisierten Negative und Positive der Samarra-Ausgrabungen sind zum Start der Ausstellung über die Online-Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin abrufbar.

Pergamonmuseum

James-Simon-Galerie, Bodestraße
Berlin, 10178 Deutschland
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