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MITHRAS. Annäherungen an einen römischen Kult

25. November 2022 10. April 2023

Zum ersten Mal nach ihrer Erschaffung vor fast 2000 Jahren verließen im Oktober 2021 tonnenschweren Steindenkmäler des Mithras-Kultes aus der römischen Stadt Nida (Frankfurt am Main-Heddernheim) mit einem Spezialtransport das Frankfurter Stadtgebiet. Sie bilden einen zentralen Bestandteil des in einer internationalen Kooperation entstandenen Ausstellungsprojekts

„The Mystery of Mithras. Exploring the heart of a Roman cult“, das von der Europäischen Kommission gefördert wurde (www.mithra-project-eu). Das Archäologische Museum Frankfurt führt damit seine Kooperationen mit internationalen Partnern fort: Seit Jahren ist das Haus im Rahmen von „Iron Age Europe“ mit Museen und Fundplätzen der europäischen Eisenzeit vernetzt. Ein weiteres EU-Projekt zum europaweiten Phänomen spätantiker-frühmittelalterlicher Höhensiedlungen („Hilltop settlements“) ist derzeit mit europäischen Partnern in Vorbereitung.

Bislang wurden die Frankfurter Funde im Rahmen der Sonderausstellungen zusammen mit weiteren herausragenden Denkmälern des Mithras-Kultes in den Museen von Mariemont (Belgien) und Toulouse (Frankreich) präsentiert. Nach einer Reise von mehr als 2500 Kilometern kehren die international bedeutenden Objekte aus Nida nun zur letzten Station des Projektes nach Frankfurt zurück. Sie werden ab dem 25. November im Rahmen der Sonderausstellung „Mithras. Annäherungen an einen römischen Kult“ im Archäologischen Museums Frankfurt in neuer Aufstellung präsentiert. Im Zusammenspiel mit Funden aus Mithras-Heiligtümern aus Italien, Frankreich, Kroatien, Ungarn und Rumänien sowie aus dem Limesgebiet – zum Beispiel aus Dieburg, Friedberg, Groß-Gerau oder Güglingen – eröffnen sie einen neuen Blick auf diese antike Gottheit und ihren faszinierenden Kult, der Wissenschaft und Forschung noch heute in vielen Bereichen Rätsel aufgibt. Hervorzuheben sind die Objekte aus einem Mithräum in Vulci, dass seit seiner Entdeckung 1975 erstmals außerhalb Italiens zu sehen ist. Das Mithräum war Teil eins Stadthauses in der etrurischen Stadt Vulci, das möglicherweise einem römischen Senator, sicher einem Angehörigen der städtischen Oberschicht gehörte. Die Ausstellung gliedert sich in zwei Teile: 1. Mithras in Frankfurt (NIDA) im Querschiff der Karmeliterkirche und 2. Mithras – Annäherungen an einen römischen Kult im Refektorium.

Die Erforschung des Mithras-Kultes ist eng mit dem Fundort Nida im Nordwesten des heutigen Frankfurt verbunden. Die Entdeckungen von zwei Mithras-Heiligtümern (Mithräen) im Jahr 1826 sorgten für großes Aufsehen und machten Nida auf einen Schlag in der Altertumswissenschaft bekannt. Die herausragenden Steindenkmäler des 1887 entdeckten Mithräums III von Nida veranlassten den „Gründervater“ der Mithras-Forschung, den belgischen Gelehrten Franz Cumont (1868-1947), 1894 zu einer ersten großen Studie zur Bildersprache in diesem antiken Kult. Das große Kultbild aus Mithräum III, das nach seiner teilweisen Zerstörung im 2. Weltkrieg erst vor wenigen Jahrzehnten wieder zusammengesetzt werden konnte, bildet zusammen mit weiteren Objekten aus diesem Heiligtum bis heute eine der Hauptattraktionen in der Dauerausstellung des Archäologischen Museums Frankfurt.

Der Mithras-Kult war seit Cumonts Forschungen immer wieder Gegenstand umfangreicher Studien und Ausstellungen. Nie zuvor widmete sich eine internationale Schau jedoch exklusiv diesem Thema. Die Frankfurter Ausstellung erlaubt einen detaillierten und differenzierten Blick auf dieses kulturhistorisch und religionswissenschaftlich hoch spannende Thema: Woher stammt der Kult des Gottes Mithras? Was verbindet den antiken Sonnengott Sol mit Mithras? Und war der Mithras-Kult wirklich der zentrale Widersacher des frühen Christentums im Römischen Reich? Diese und andere Fragen werden in der Ausstellung anhand aktueller Forschungsergebnisse angesprochen – und zwar ausschließlich durch Objekten aus gesicherten Fundorten.

Da antike Schriftquellen zum Mithras-Kult weitgehend fehlen, kommt der Archäologie und ihren Funden bei der Annäherung an diese antike Religion eine zentrale Bedeutung zu. Die Ausstellung in Frankfurt trägt dem Rechnung, indem sie einen Schwerpunkt auf die Präsentation von Ergebnissen der archäologischen Forschung legt. Dabei spielen Nida und das obergermanische Limesgebiet eine besondere Rolle: In dieser stark vom römischen Militär geprägten Region war der Mithras-Kult weit verbreitet. Nida mit seinen vier (oder fünf) bekannten Mithräen nimmt auch in diesem Punkt eine herausragende Stellung ein.

Zur Ausstellung bietet das Archäologische Museum Frankfurt ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Führungen, Vorträgen und Workshops an. Nähere Informationen dazu finden Sie auf der Homepage des Museums.

Das Mithras-Projekt ist ein dreijähriges Kooperationsprojekt zwischen drei europäischen Museen: dem Königlichen Museum von Mariemont (Belgien), dem Museum von Saint-Raymond in Toulouse (Frankreich) und dem Archäologischen Museum von Frankfurt (Deutschland). Es wird co-finanziert durch das Creative Europe Programm der Europäischen Union.

Im Rahmen des Mithras-Projektes ist zudem die umfassende Publikation „Le mystère Mithra. Plongée au cœur d´un culte romian“ erschienen. Die Beiträge von 75 internationalen Experten vermitteln einen Einblick in den aktuellen Stand der Forschung und setzen den Mithras-Kult dabei angemessen in Bezug zur religiösen Landschaft der Antike sowie der europäischen Kultur von heute.

Herausgegeben von Laurent Bricault, Richard Veymiers und Nicolas Amoroso; in Zusammenarbeit mit Laure Barthet, Margaux Bekas, Pascal Capus, Alexandra Dardenay, Wolfgang David und Carsten Wenzel. 576 Seiten Erhältlich in Französisch und Englisch 40,00 €

https://www.archaeologisches-museum-frankfurt.de/index.php/de/ausstellungen/mysterium-mithras-annaeherungen-an-einen-roemischen-kult


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