Römische Straßen legten den Grundstein für heutigen Wohlstand

Für die Studie überlagerten die Forscher Karten des Straßennetzes des Römischen Reiches mit modernen Satellitenbildern, die die nächtliche Lichtintensität zeigen – eine Möglichkeit, die wirtschaftliche Aktivität in einem geografischen Gebiet näherungsweise zu bestimmen (School of Business, Economics and Law der Universität Göteborg).

Obwohl die Errichtung des antiken römischen Straßennetzes mehr als 2.000 Jahre zurückliegt, gibt es eindeutige Zusammenhänge zwischen dem Verlauf der Straßen und dem heutigen Wohlstand. In einer wirtschaftswissenschaftlichen Studie untersuchen die Forscher die Bedeutung des römischen Straßennetzes für die Erhaltung oder den Verlust von Wohlstand im Laufe der Jahrhunderte. Eine wichtige Frage in der Studie betrifft Ursache und Wirkung, d. h. ob die Römer die Straßen in Gebieten mit starker wirtschaftlicher Aktivität bauten oder ob es die Straßen waren, die das Wirtschaftswachstum auslösten.

Die römischen Straßennetze waren beeindruckende Konstruktionen, die in ihrer Blütezeit 80.000 Straßenkilometer umfassten. Sie wurden nicht in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen gebaut, sondern um Truppen in verschiedene Teile des Reiches zu transportieren. Ältere Straßennetze oder die Dörfer und Gemeinden entlang dieser Straßen wurden kaum berücksichtigt. Dennoch wurden die römischen Straßen schon bald für Handel und Verkehr genutzt, sie wurden zu Verbindungen zwischen aufstrebenden Marktstädten und waren wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung.

In der aktuellen Studie untersuchen die Forscher die Bedeutung der antiken römischen Straßen als Kanäle für den Transfer von Wohlstand, um besser zu verstehen, warum Orte, die vor 2.000 Jahren florierten, auch heute noch zu größerem wirtschaftlichen Wohlstand neigen.

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Im Jahr 2022 feiert das Museum im Schloss Hohentübingen seinen 25. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums und anlässlich des 200. Geburtstages von Heinrich Schliemann hat das MUT in enger Kooperation mit dem Tübinger Troia-Forschungsprojekt die Jubiläumsausstellung „Troia, Schliemann und Tübingen“ erarbeitet.

Zur Konzentration der Städte beigetragen

Zur Durchführung der Studie überlagerten die Forscher Karten des Straßennetzes des Römischen Reiches mit modernen Satellitenbildern, die die Lichtintensität bei Nacht zeigen – eine Möglichkeit, die wirtschaftliche Aktivität in einem geografischen Gebiet näherungsweise zu bestimmen. Dann teilten sie die Karte in ein feinmaschiges Raster ein, maßen in jedem Kästchen das Vorhandensein römischer Straßen und verglichen es mit der Infrastruktur, der Bevölkerungsdichte und der wirtschaftlichen Aktivität von heute.

„Angesichts der Tatsache, dass sich seitdem viel getan hat, sollte vieles an die heutigen Gegebenheiten angepasst worden sein. Auffallend ist jedoch, dass unser Hauptergebnis darin besteht, dass die römischen Straßen zur Konzentration der Städte und der Wirtschaftstätigkeit entlang dieser Straßen beigetragen haben, auch wenn sie verschwunden sind und von neuen Straßen überdeckt werden“, sagt Ola Olsson, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der School of Business, Economics and Law der Universität Göteborg und einer der Autoren der Studie.

Eine wichtige Frage in der Studie betrifft Ursache und Wirkung, d. h. ob die Römer die Straßen in Gebieten mit starker wirtschaftlicher Aktivität bauten oder ob es die Straßen waren, die das Wirtschaftswachstum auslösten.

„Das ist die große Herausforderung in diesem gesamten Forschungsbereich. Was diese Studie besonders interessant macht, ist die Tatsache, dass die Straßen selbst verschwunden sind und dass das Chaos in Westeuropa nach dem Fall des Römischen Reiches eine Gelegenheit gewesen wäre, die wirtschaftlichen Strukturen neu auszurichten. Trotzdem blieb das städtische Muster erhalten“, sagt Ola Olsson.

Schlechtere Entwicklung in den östlichen Teilen

Ein weiterer Faktor, der die Ergebnisse der Studie stützt, ist die Entwicklung im Osten des Römischen Reiches, in Nordafrika und im Nahen Osten, wo der Transport auf Rädern im 4. bis 6. Jahrhundert im Wesentlichen durch Kamelkarawanen ersetzt wurde. Die Straßen in dieser Region wurden immer weniger genutzt und verfielen. Im Gegensatz zu den westlichen Teilen des Königreichs wurden also keine neuen Straßen auf den alten gebaut.

„Die Straßen wurden unbedeutend, so dass wir nicht mehr die gleiche Kontinuität im Wohlstand sehen. Man kann sagen, dass die Region von dem betroffen war, was man ‚reversal of fortune‘ nennt – Länder, die früh eine Zivilisation entwickelten, wie der Irak, der Iran und die Türkei, sind heute autokratisch und haben eine deutlich schlechtere wirtschaftliche Entwicklung als Länder, die damals in der wirtschaftlichen Peripherie lagen“, sagt Ola Olsson.

Die Tatsache, dass Investitionen in die Infrastruktur sowohl Jahrzehnte als auch Jahrhunderte später große wirtschaftliche Auswirkungen haben können, ist wichtig, um zu verstehen, warum manche Regionen weiter entwickelt sind als andere, sagt Ola Olsson.

„In Schweden zum Beispiel sprechen wir über den möglichen Bau neuer Eisenbahnstrecken. Die Eisenbahn hat seit dem 19. Jahrhundert eine enorme Bedeutung für die Wirtschaftstätigkeit in Schweden. Es wird über neue Strecken für die Eisenbahn diskutiert, und wenn sie gebaut werden, kann man erwarten, dass einige Gemeinden einen großen wirtschaftlichen Aufschwung bekommen.“

Originalpublikation

 „Roman roads to prosperity: Persistence and non-persistence of public infrastructure“ by Carl-Johan Dalgaard, Nicolai Kaarsen, Ola Olsson and Pablo Selaya, is published in Journal of Comparative Economics.

Nach einer Pressemeldung der Universität Göteborg, Text: Lars Magnusson.

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