Goldschmuck aus der Zeit der Nofretete gefunden

Der Goldschmuck stellt eine stilisierte Lotusblüte dar. Einige der Blätter bestehen aus dünnen Goldplatten andere bestanden aus Intarsien, die nicht mehr vorhanden sind.
Ägyptischer Lotosschmuck mit eingelegten Steinen (ca. 1350 v. Chr.). Foto: Peter Fischer, Teresa Bürge

Archäologen der Universität Göteborg haben eine Ausgrabung von zwei Gräbern in der bronzezeitlichen Stadt Hala Sultan Tekke auf Zypern abgeschlossen. Zu den Funden gehören über 150 menschliche Skelette und fast 500 Gegenstände – darunter Goldschmuck, Edelsteine und Keramik – aus der Zeit um 1350 v. Chr.

Seit 2010 hat die Neue Schwedische Zypern-Expedition (Söderberg-Expedition) mehrere Ausgrabungen auf Zypern durchgeführt. Im Jahr 2018 entdeckten die Archäologen zwei Gräber in Form von unterirdischen Kammern mit einer großen Anzahl menschlicher Skelette. Der Umgang mit den Funden erforderte vier Jahre lang eine sehr heikle Arbeit, da die Knochen nach mehr als 3.000 Jahren im salzigen Boden äußerst zerbrechlich waren.

Neben den Skeletten von 155 Personen fand das Team auch 500 Gegenstände. Die Skelette und rituellen Grabbeigaben lagen in Schichten übereinander, was zeigt, dass die Gräber über mehrere Generationen hinweg genutzt wurden.

„Die Funde deuten darauf hin, dass es sich um Familiengräber für die herrschende Elite der Stadt handelt. So fanden wir beispielsweise das Skelett eines Fünfjährigen mit einer goldenen Halskette, goldenen Ohrringen und einem goldenen Diadem. Es handelt sich wahrscheinlich um ein Kind einer mächtigen und wohlhabenden Familie“, sagt Professor Peter Fischer, der Leiter der Ausgrabungen.

Zu den Funden gehören Schmuck und andere Gegenstände aus Gold, Silber, Bronze, Elfenbein und Edelsteinen sowie reich verzierte Gefäße aus vielen Kulturen. „Wir haben auch einen Stier aus Keramik gefunden. Der Körper dieses hohlen Stiers hat zwei Öffnungen: eine auf dem Rücken, um ihn mit einer Flüssigkeit zu füllen, wahrscheinlich Wein, und eine an der Nase, um daraus zu trinken. Offenbar haben sie in der Kammer Feste zu Ehren ihrer Toten gefeiert.“

Eine jahrtausendealte Botschaft

Ein besonders wichtiger Fund ist ein zylinderförmiges Siegel aus dem Mineral Hämatit mit einer Keilschrift aus Mesopotamien (heutiger Irak), die die Archäologen entziffern konnten.

„Der Text besteht aus drei Zeilen und nennt drei Namen. Einer ist Amurru, ein in Mesopotamien verehrter Gott. Bei den beiden anderen handelt es sich um historische Könige, Vater und Sohn, die wir vor kurzem in anderen Texten auf Tontafeln aus derselben Zeit, d. h. dem 18. Jh. v. Chr. gefunden haben. Wir versuchen derzeit herauszufinden, warum das Siegel mehr als 1000 km von seinem Entstehungsort entfernt auf Zypern gelandet ist.“

Zu den Funden gehören der rote Edelstein Karneol aus Indien, der blaue Edelstein Lapislazuli aus Afghanistan und Bernstein aus dem Ostseeraum, was zeigt, dass die Stadt in der Bronzezeit eine zentrale Rolle für den Handel spielte. Der Goldschmuck, die Skarabäen (käferförmige Amulette mit Hieroglyphen) und die aus dem Niltal eingeführten Fischreste zeugen von einem intensiven Handel mit Ägypten.

Das Diadem steht aus einem langen Band aus Gold, an dessen kurzen Enden jeweils zwei Löcher eingeschlagen wurden. Der Rand ist umlaufend mit kleinen eingehämmerten Punkten verziert. In der Mitte verlaufen acht Spiralen, die die ganze Breite des Diadems einnehmen.
Eines der Skelette gehörte zu einem Fünfjährigen, der mit viel Goldschmuck begraben wurde, darunter dieses Diadem. Fotos: Peter Fischer, Teresa Bürge

Weitreichendes Handelsnetz

Durch Vergleiche mit ähnlichen Funden aus Ägypten konnten die Archäologen den Schmuck auch datieren. „Die Vergleiche zeigen, dass die meisten Objekte aus der Zeit der Nofretete und ihres Mannes Echnaton um 1350 v. Chr. stammen. So wie ein Goldanhänger, den wir gefunden haben: eine Lotosblume mit eingelegten Edelsteinen. Nofretete trug ähnlichen Schmuck.“

Auch die Keramikfunde sind wichtig. „Die Art und Weise, wie sich das Aussehen und das Material der Keramik im Laufe der Zeit verändert haben, ermöglicht es uns, sie zu datieren und die Verbindungen zu untersuchen, die diese Menschen mit ihrer Umwelt hatten. Was mich am meisten fasziniert, ist das weit verzweigte Netz von Kontakten, das sie vor 3.400 Jahren hatten.“

Der nächste Schritt wird die DNA-Analyse der Skelette sein. „Sie wird zeigen, wie die verschiedenen Individuen miteinander verwandt sind und ob es Einwanderer aus anderen Kulturen gab, was angesichts der ausgedehnten Handelsnetze nicht unwahrscheinlich ist“, sagt Peter Fischer.

Nach einer Pressemeldung der Universität von Göteborg

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