Winzige Werkzeuge weisen auf spezielle Fähigkeiten hin

Neue Forschungen stellen bisherige Theorien in Frage. Bisher gingen Forschende davon aus, dass eine mysteriöse Gruppe von Wildbeutern aus Indonesien vor Tausenden von Jahren mit den australischen Ureinwohnern interagierte. Die neue Studie liefert hingegen eine andere Grundlage für das zukünftige Verständnis der Menschen, die winzige, aber präzise Werkzeuge aus Stein herstellten.

Werkzeug unter dem Mikroskop
Mikrolithen in der Untersuchung. Credits: Griffith University.

Bisher falsche klassifikation

Basecamp am Fuße der Höhlenstätte. Credits: Griffith University.

Die Studie untersucht eine Sammlung von Stein- und Knochenwerkzeugen des Toalean-Volkes auf der indonesischen Insel Sulawesi. Die Toaleaner waren eine Gruppe von Jägern und Sammlern, die vor etwa 1500-8000 Jahren im südlichsten Sulawesi lebten. In dieser Zeit produzierten sie mehrere charakteristische kleine Werkzeuge, die man sonst nirgendwo auf der Insel findet. Dazu gehören die so genannten „Maros-Spitzen“, die möglicherweise als Pfeilspitzen verwendet wurden und feine zahnähnliche Zacken haben.

„Bisher wurden diese Werkzeuge ziemlich uneinheitlich oder sogar falsch beschrieben. Aber sie wurden dennoch benutzt, um ausgeklügelte Szenarien für menschliche Aktivitäten zu erstellen“, sagte Perston.

„In unserer Arbeit liefern wir die bisher vollständigste technologische Beschreibung der toaleanischen Stein- und Knochenwerkzeuge. Wir beschreiben genau, wie die Toaleaner sie hergestellten. Dafür haben wir neue Klassifikationsmodelle für die markantesten Formen von Stein- und Knochenwerkzeugen skizziert.“, wie Perston betont.

genaue Studien am Objekt

Die 1739 Werkzeuge fanden die Forschenden an bekannten Toalean-Stätten in Höhlen innerhalb des Kalksteinkarsts, der durch Maros und Pangkep verläuft.

Darunter klassifizierten Perston und ihr Team die kleinen Maros-Spitzwerkzeuge (durchschnittlich 25 mm lang) als vier verschiedene Varianten: die Maros-Spitze, die Mallinrung-Spitze, die Lompoa-Spitze und die Pangkep-Spitze.

Um zu untersuchen, wie man die spezialisierten Werkzeuge hergestellte, untersuchte Perston die Spuren oder „Narben“, an denen andere Steinstücke entfernt worden waren. Zudem suchte sie nach Stellen, wo sich diese Narben überschnitten, um eine klarere Vorstellung davon zu bekommen, in welcher Reihenfolge die Steinstücke geschlagen wurden, um die Werkzeuge herzustellen, und wie.

„Es gibt Theorien, dass die Toaleaner die Spitzen als Pfeilspitzen oder für die Fischjagd verwendeten. Aber wir hoffen, dass die nächste Stufe der Forschung darin besteht, die Rückstände auf den Werkzeugen zu untersuchen. Damit können wir Spuren davon finden, wofür die Toaleaner sie benutzt haben könnten“, sagte sie.

„Wir haben auch eine neue Form von Steinwerkzeugen beschrieben. Die ’sawlette‘, sie sind bestimmten Werkzeugtypen aus Europa sehr ähnlich. Dadurch gehen wir von einem Fall von kultureller Konvergenz aus. Das heißt, nicht verwandte Völker kamen unabhängig voneinander zu weitgehend ähnlichen Merkmalen oder Lösungen.“

Neubewertung des kulturellen Austauschs

Werkzeuge aus Steinabschlägen
Maros-Spitzen. Credits: Griffith University.

Perston sagte, dass die Studie auch die Grundlage für die Bewertung archäologischer Szenarien schuf, die andere Forschende zuvor vorschlugen, wie z.B. Ähnlichkeiten zwischen einigen Werkzeugen in Australien und Sulawesi. Welche angeblich implizieren, dass die beiden Regionen vor Tausenden von Jahren Kontakt hatten und Ideen austauschten.

Obwohl die Studie die Möglichkeit nicht ausschließt, dass alte Aborigine-Gemeinschaften Kontakt mit Menschen außerhalb Australiens hatten, zeigt sie, dass die Beweise für eine Verbindung zu den Toaleanern zum jetzigen Zeitpunkt nicht stark sind.

„Wir haben festgestellt, dass die Maros-Spitzen aus Sulawesi zwar einigen australischen Werkzeugen ähnlich sehen. Zum Beispiel den berühmten Speerspitzen aus den Kimberleys. Aber die Herstellungsprozesse für die Toalean-Spitzen und die australischen Steinspitzen sind tatsächlich recht unterschiedlich. Diesen Unterschied wollen wir noch weiter erforschen.“, sagte Perston.

„Außerdem werden die ‚backed microliths‘ und die ‚bone points‘, die wir in den Toalean Assemblagen finden, auch an anderen Orten auf der Welt gefunden. Ihr Vorhandensein in Australien könnte einfach auf Konvergenz zurückzuführen sein, so wie es auch bei den Toalean-Sägeblättern der Fall ist, die eindeutig keine Verbindung zum paläolithischen Europa haben.

„Wir hoffen, dass diese Studie ein wichtiges Werkzeug für Archäologen in Sulawesi sein wird, damit zukünftige Forschungen konsistenter und zuverlässiger sein können.“

Nach Pressemeldung der Griffith University.

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Bonatz, Dominik

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2021. 168 S. mit etwa 150 farb. Abb., 24 x 30 cm, Fadenh., geb. mit SU. wbg Philipp von Zabern, Darmstadt.