Nordamerika durch „Trittstein“-Migration besiedelt?

Kartierung der Besiedlung Nordamerikas über Trittsteine in der Bering-See
Kartierung des Beringia-Ozeanspiegels und des ‚Archipel-Highway‘. Credits: Dobson, et al.

Migration nach Nordamerika über Archipel

Während der letzten Eiszeit paddelten Generationen von maritimen Migranten in Booten ostwärts über flache Meeresgewässer von Asien bis zum heutigen Alaska. Sie reisten von Insel zu Insel und schließlich an die Küste und ernährten sich von reichhaltigen Algen, Fischen, Schalentieren, Vögeln und Wild, das sie in den küstennahen Biomen ernteten. Ihre inselreiche Route war durch einen sich verschiebendes Archipel möglich, das sich fast 900 Meilen von Asien nach Nordamerika erstreckte.

Eine neue Studie dokumentiert den neu benannten Bering Transitory Archipelago und zeigt auf, wie, wann und wo die ersten Amerikaner ihn überquert haben könnten. Die Trittstein-Hypothese der Autoren beruht auf einer Vielzahl von Inseln, die während der letzten Eiszeit entstanden, als der Meeresspiegel sank, weil das Wasser in den Gletschern eingeschlossen war. Und als später die Eisschilde schmolzen, stiegen der Meeresspiegel wieder an. Die zweiteilige Studie könnte eine Antwort auf das geben, was der Schriftsteller Fen Montaigne als „eines der größten Rätsel unserer Zeit … wann der Mensch die erste kühne Reise nach Amerika unternahm“ bezeichnet.

Trittsteine im Meer

Die „Trittstein“-Idee beruht auf einer retrospektiven Kartierung des Meeresspiegels unter Berücksichtigung der Isostasie. Einer Verformung der Erdkruste aufgrund der wechselnden Tiefe und des Gewichts von Eis und Wasser. Sie erreichte während des letzten glazialen Maximums vor etwa 20.500 Jahren ihren Höhepunkt.

„Wir entdeckten digital eine geografische Besonderheit von beträchtlicher Größe. Die jedoch in der wissenschaftlichen Literatur nie richtig dokumentiert worden war.“, sagt Hauptautor Dobson. „Wir nannten es das Bering Transitory Archipelago; es existierte von vor etwa 30.000 Jahren bis vor 8.000 Jahren“. Als wir es sahen, dachten wir sofort: „Wow, vielleicht sind so die ersten Amerikaner nach Nordamerika gekommen.“. Und in der Tat scheint alles, was wir getestet haben, das zu bestätigen – es scheint tatsächlich zu stimmen.“

Mehr als ein Jahrzehnt lang haben Forscher über ein Rätsel im Rätsel gegrübelt. Die mitochondriale DNA deutet darauf hin, dass die Migranten auf ihrem Weg von Asien nach Nordamerika irgendwo bis zu 15.000 Jahre lang isoliert waren. Die Beringsche Stillstandshypothese ergibt sich aus der Tatsache, dass sich die DNA der amerikanischen Ureinwohner heute deutlich von der asiatischen DNA unterscheidet. Das ist ein klares Indiz für eine genetische Drift von solchem Ausmaß, wie sie nur über lange Zeiträume in nahezu vollständiger Isolation von der asiatischen Ausgangspopulation stattgefunden haben kann. Der Bering-Transit-Archipel bietet ein geeignetes Refugium mit interner Konnektivität und äußerer Isolation.

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Ohne Segel und in kleinen Gruppen

Dobson sagte, dass die Menschen, die das Beringmeer überquerten, wahrscheinlich keine Segel hatten, aber Erfahrung im Paddeln von Booten. Sie benutzten Kajaks und Umiaks, wie sie die Inuit heute benutzen.

„Sie reisten wahrscheinlich in kleinen Gruppen“, sagte er, „entweder von Asien oder von Inseln vor der Küste Asiens. Es ist bekannt, dass es vor 27.000 Jahren einige maritime Menschen auf den nordjapanischen Inseln gab. Sie waren wahrscheinlich maritime Menschen – sie lebten nicht nur auf Inseln, sondern praktizierten tatsächlich maritime Kultur, Wirtschaft und Reisen.“

Dobson setzt sich dafür ein – alle Ländereien, die während der spätpleistozänen Eiszeiten freigelegt und wiederholt überflutet wurden. Sie schufen so eine Zone der archäologischen Verheißung, die über alle Küstenregionen rund um den Globus verstreut ist.

Kürzlich wendeten die Autoren ein verbessertes Modell der Glazialen Isostatischen Anpassung auf neun globale Choke-Points an, d.h. Landengen und Meerengen, die im Laufe der Geschichte Transport und Handel behinderten. Es ist bekannt, dass bedeutende menschliche Migrationen über einige von ihnen stattgefunden haben. Dies schließt alle Teile der Beringsee ein, die vor, während und nach dem letzten glazialen Maximum freigelegt wurden.

„Diese italienischen Ozeanforscher lasen mein ‚Aquaterra‘-Papier und nahmen es auf sich, die Grenzen von Aquaterra für die ganze Welt bei grober Auflösung und für Beringia selbst bei feiner Auflösung zu verfeinern“, sagte Dobson. „Später kamen wir überein, unsere Kräfte zu bündeln und diese neun globalen Choke-Points in Angriff zu nehmen. Am Ende dieser Studie entdeckten wir plötzlich diese Inseln in der Beringsee, und das wurde unser Fokus. Das hatte sofortiges Potenzial, weil es ein echte Veränderung für alle Wissenschaften sein könnte. So können wir verstehen, wie Migration in der Vergangenheit funktioniert hat. Wir fanden verblüffende Ergebnisse an bestimmten anderen Engpässen und haben begonnen, diese ebenfalls zu analysieren.“

Inseln erhoben sich und versanken wieder

In Beringia führte diese Aktion zu einem „Förderband“ von Inseln nach Nordamerika, die sich aus dem Meer erhoben und wieder zurückfielen. Dadurch drängte die Natur Menschengruppen nach Osten. „Die ersten Inseln, die auftauchten, waren direkt vor der Küste Sibiriens“, so der KU-Forscher. „Dann erschienen Inseln immer weiter östlich. Wahrscheinlich wandten sich die Migranten sich in Richtung Osten, weil dort Inseln in Sichtweise lagen und leicht zu erreichen waren.“

Vor 10.500 Jahren, als die Beringstraße selbst erstmals auftauchte, waren fast alle Inseln im Westen untergegangen. Nur drei Inseln blieben übrig, und die Paddelentfernungen hatten sich entsprechend vergrößert. Die Bewohner waren also zur Evakuierung gezwungen und standen vor einer klaren Wahl: zurück nach Asien, von dem sie wussten, dass es bevölkert war und das sie vielleicht sogar aufgrund des Bevölkerungsdrucks und der Ressourcenknappheit verlassen hatten, oder nach Nordamerika in ein weniger bekanntes Gebiet paddeln, vielleicht auf weniger besiedelte Inseln mit reichlich Ressourcen.

Um die in der neuen Arbeit dargelegte Idee vollständig zu bestätigen, müssen laut Dobson Forschende aus vielen Bereichen zusammenarbeiten. Wie es hier bspw. ein Geograph und zwei Meereswissenschaftler getan haben.

„Wir selbst sind in einem Stadium, in dem wir definitiv eine Bestätigung unter Wasser brauchen“, sagte er. „Zweifellos werden Unterwasserarchäologen mit ihrem Titel bei dieser Suche die Oberhand gewinnen, aber andere Disziplinen, Spezialgebiete und Bereiche sind unerlässlich. Durch die Zusammenarbeit und das Durchforsten diverser Literatur haben wir eine grundlegend neue physikalische Geografie vorgestellt. Das sollte jede relevante Disziplin dazu verleiten, konventionelle Theorien in Frage zu stellen und neue Ideen zu erforschen, wie, wann und wo Menschen nach Nordamerika kamen. Im weiteren Sinne kann Aquaterra als verbindendes Thema für das Verständnis menschlicher Migrationen, demischer Expansionen, Evolutionsbiologie, Kultur, Besiedlung und unzähliger anderer Themen dienen.“

Nach Pressemeldung der UNIVERSITY OF KANSAS.

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